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Römer auf dem Lechfeld

Autor: Heinz Schmidt

Nach neuesten Erkenntnissen gehen Historiker davon aus, dass Tiberius mit seinen Truppen von Westen über den Bodensee in unser Gebiet eindrang, während Drusus gleichzeitig sowohl über den Reschenpass als auch den Brenner und dann beidseitig des Lechs nach Norden zog. Zur Sicherung des Nachschubs für die Truppen wurden von den Vermessungs- und Pioniereinheiten im Zuge der Eroberung befestigte Straßen angelegt.

Die beiden ältesten nachweisbaren Römerkastelle aus der Zeit der Okkupation im Alpenvorland liegen bei Friedberg-Rederzhausen auf der so genannten Mundrachinger Stufe des Lechtals teilweise auf Kissinger Flur. Bauweise und Struktur der Anlagen sowie das Fundmaterial erlauben eine Interpretation als Pionierkastelle und eine Datierung von den späten Regierungsjahren des Kaisers Augustus bis in die mittlere Regierungszeit des Tiberius, also von etwa 9 n. Chr. bis etwa 25 n. Chr. Aus der unmittelbaren Nähe zu der Römerstraße im östlichen Lechtal sowie deren Übergang über den Lech bei Hochzoll lässt sich ein direkter Zusammenhang zwischen den Kastellen und dem Straßen- und Brückenbau ableiten.

Diese durch Kissing verlaufende Römerstraße aus der Zeit des Kaisers Augustus ist somit eine der ältesten Straßen nördlich der Alpen. Sie führte von Oberitalien über den Brenner nach Augsburg und später weiter an die Donau. Westlich des Lechs wurde 46 n. Chr. unter Kaiser Claudius eine weitere Straße angelegt. Sie führte über den Reschenpass, Füssen und Königsbrunn nach Augsburg und ist unter dem antiken Namen "Via Claudia Augusta" überliefert.

Die über Kissing und Garmisch führende "Brennerroute" wurde später mit einer Abzweigung bei Heinrichshofen über Gauting zur wichtigen Handelsroute Augsburg - Salzburg. Das Original eines Römersteines in Gilching (31 Römische Meilen von Augsburg) zeugt von der Instandsetzung dieser Straße im Jahre 201 n. Chr. unter Kaiser Septimius Severus.

Unter Kaiser Claudius wurde eine von Kastellen gesicherte Grenzlinie entlang der Donau errichtet. Die von ihm gegründete Provinz Rätien hatte den Einzug städtischer Zivilisation aus dem Mittelmeerraum zur Folge. Kempten und die Provinzhauptstadt Augsburg entstanden so nach italienischem Vorbild.

Im 5. Jahrhundert wurden die inneren und äußeren Probleme des Weströmischen Reiches zu groß. Der germanische Heerführer in römischen Diensten, Odoaker, ernannte sich selbst zum König von Italien und ordnete 488 n. Chr. den Rückzug aller römischen Truppen aus Deutschland an.

(Ob da nicht doch der eine oder andere Auxiliar lieber bei seiner blonden Schönen in Rätien geblieben ist? Ich meine, wenn man gemächlich durch Augsburg schlendert, kann man heute noch dem einen oder anderen Römer begegnen...)

 

Quellen:

Siehe Geschichte von Kissing, Römische Kaiserzeit, Verwendete und weiterführende Literatur


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