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Mittelalter

 

Autor: Heinz Schmidt

Im Mittelalter wird die Geschichte auch im Kissinger Raum sehr differenziert, so dass in diesem Rahmen nur im Zeitraffer über die wesentlichen Merkmale geeilt werden kann.

Nach dem Abzug der Römer wurden in den unsicheren Zeiten der Völkerwanderung und der Ungarneinfälle so genannte "Fliehburgen" errichtet, in die sich die Bevölkerung bei Gefahr zurückziehen konnte. Im Burgholz bei Mergenthau befindet sich eine derartige Anlage, jedoch bislang ohne eindeutige zeitliche Zuordnung.

Mit dem Sieg Otto des Großen in der "Schlacht auf dem Lechfeld" 955 bei Augsburg über die Ungarn wird die Gefahr aus dem Osten zunächst gebannt. Doch auch hier ist man in Fachkreisen unsicher, wo genau die Kampfhandlungen stattgefunden haben. Historiker sehen den Lagerplatz der Ungarn in der Nähe des Gunzenlee, eines Thinghügels, dessen Lage wiederum relativ unsicher zwischen Schwabhof und Kissing vermutet wird. Der Hügel ging im 15. Jahrhundert durch Lechhochwasser verloren. Ein teilweise zerstörtes Bodendenkmal in der Nähe des vermuteten Standortes kann sowohl mit den Ungarn als auch mit dem Gunzenlee in Zusammenhang gebracht werden.

Im 11. Jahrhundert zeichnet sich die Gründung des Ortes Kissing ab. Bei den "Edlen von Chissingen", die im Bereich des Bistums Augsburg ab ca. 1050 genannt werden, kann es sich nur um die ersten Kissinger handeln.

Auf einem Sporn der Lechleite entsteht eine so genannte Hochmotte, ein weit verbreiteter Bautyp für Wohn- und Wehrzwecke, der aus der normannisch-fränkischen Herrenburg hervorgeht. Die Vermessung der Anlage durch die Herren Rudolf Schneider und Anton Mahl aus Kissing führte zu einem Rekonstruktionsversuch, dessen Modell in der Bücherei der Gemeinde Kissing ausgestellt ist.

Kissing, um 1000 n. Chr.:hier: Normannisch-Karolingischer Herrensitz auf dem Burgstall, Modell: Nachlass Rudolf Schneider, Kissing

Auf den Bauresten der Hochmotte entstand 1681 bis 1685 ein barockes Kleinod, die Burgstallkapelle „Zur schmerzhaften Muttergottes“.

Heereszüge deutscher Kaiser sollen sich vor ihrem Aufbruch nach Italien am Gunzenlee gesammelt haben.

Kissing, um 1000 n. Chr.:hier: Kaiserliches Wellenrandhufeisen, gefunden auf der Römerstraße Hochzoll-Kissing, PrivatbesitzDer Fund zweier sehr seltener „kaiserlicher“ Wellenrandhufeisen auf der Römerstraße nördlich von Kissing und auf dem Oberländer Weg bei der Afra-Siedlung stärken diese These und sind ein Nachweis dafür, dass die Trasse der alten Römerstraße durch Kissing durch das Mittelalter hindurch bis in die Gegenwart mit der B2 permanent eine wichtige Verkehrsader darstellte.

 

Stellvertretend für alle Merkmale des Mittelalters, die in dieser Zusammenstellung keinen Raum finden, seien ein mühlenartiger Holzbau an der Paar aus dem Jahr 986 sowie die mysteriösen "Wichtellöcher", alte Burgställe im Kirchberg von Alt-Kissing, wenigstens kurz erwähnt.

Unter den Segeln der Santa Maria lässt Christoph Columbus 1492 das alte Europa und das Mittelalter hinter sich. Mit der Entdeckung von Amerika beginnt per Definition die Neuzeit.

Weitergehende Informationen:

Die Metallfunde vom Auensee in Kissing

 

Museen

Eine lebendige Vorstellung der "Schlacht auf dem Lechfeld" und vor allem von der damaligen "Lech-Fluss-Landschaft" vermittelt die wärmstens zu empfehlende Ausstellung im "Museum 955" in Königsbrunn.

 

Verwendete und weiterführende Literatur

Der Burgstall in Kissing, Rudolf Schneider, Kissing, ca. 1986

Ein mittelalterlicher Holzbau aus dem Jahr 986 an der Paar bei Kissing Wolfgang Czysz, Friedberg, nach 1996


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