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Gemeinde Kissing

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Der Diskurs um die erste urkundliche Erwähnung Kissings

Autor: PD Dr. habil. Peter L. Münch-Heubner

Hilda Thummerer schreibt im Jahre 1983 über die erste urkundliche Erwähnung Kissings:

„In der Abgeschiedenheit von Scharnitz hat Reginpert Kirche und Kloster zu Ehren des heiligen Petrus errichtet und stattete sie 763 mit den Gütern aus, die er als sein Erbteil erhalten hatte, unter anderem seinen ganzen Anteil in Kisingas. Diese Stelle im ältesten Freisinger Traditionsbuch ist die erste bekannte Nennung des Ortes;  dass es sich um unser Kissing handelt und nicht um einen anderen Ort ähnlich lautenden Namens, ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ...“[1]

Dass andere Orte ebenfalls Anspruch auf diese erste urkundliche Erwähnung erhoben haben bzw. hatten, so etwa Giesing oder Schöngeising, wusste Hilda Thummerer. Doch die für diese Ansprüche ins Feld geführten Argumente „überzeugen“ nach Ansicht der Autorin nicht. Sie verweist zur Untermauerung ihrer These auf das nahe bei Kissing gelegene Bachern, das ebenfalls in der Urkunde als „Pahhara“ erwähnt wird.[2]

Doch genau hier beginnen viele der Probleme. Denn Orte namens Bachern gibt es eben auch viele.

Die hier herangezogene Urkunde ist nicht irgendeine aus dem Fundus des Freisinger Hochstifts. Sie ist eine der prominentesten Quellen zur Gründungsgeschichte südbayerischer Gemeinden und ihr Erfassungsraum erstreckt sich bei der Nennung von Ortsnamen vom Lech im Westen bis zur Salzach im Osten.

So muss jede Recherche auch im Falle der Kissinger Ersterwähnung mit der Untersuchung dieser Quelle bzw. mit der genaueren Darstellung ihres Charakters und ihrer Inhalte beginnen.

Im Jahre 2013 feierten mehrere Gemeinden in Südbayern den 1250. Jahrestag ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. Darunter auch Gräfelfing bei München. Aus diesem Anlass wurden dessen Vertreter im Hauptstaatsarchiv in München empfangen.[3] Dort wurde ihnen von der Leiterin der Abteilung für Ältere Bestände das Original jener Schenkungsurkunde vorgelegt, in der auch „Kisingas“ erwähnt wird.

Die Urkunde stammt aus dem Cozroh-Codex. Der Mönch Cozroh und seine Mitarbeiter stellten im achten Jahrhundert in Freising handschriftliche Abschriften wichtiger Schriftstücke und Dokumente ihrer Zeit her. Die Bestände des Archivs in Freising gelangten in den Jahren der Säkularisation nach München und werden dort im Hauptstaatsarchiv bis heute aufbewahrt. [4]

Eines der Kernstücke der Sammlung Freising, Bistum und Hochstift im Hauptstaatsarchiv ist die Urkunde 0763 VI 29. (Aus der Signatur erschließt sich hier das Ausstellungsdatum 29.Juni 763.) Und zur Quelle heißt es hier im Überblick:

„Ein gewisser Reginpert stiftet mit Gütern zu Polling, Flauerling und Imst, zu Schledorf, Hofham, Sindelsdorf, u.s.w. dem heil. Petrus ein Kloster zu Scharnitz in Tirol.“[5]

Die Kopialbücher des Cozroh können heute in ihrer digitalisierten Form im Internet abgerufen werden. [6]

Die Auflistung der Ortsnennungen führt von Hofham bei Salzburg über Schlehdorf am Kochelsee, über Nennungen bei Mühldorf am Inn hin zur Würm, wo Gräfelfing und Pasing mit großer Sicherheit identifiziert werden können. Doch wo genau im Westen die Schenkungsgebiete enden, kann nicht endgültig festgemacht werden. Ist Kissing hier der westlichste Ort/Punkt oder Schöngeising?

Angesichts der breiten geographischen Streuung der Schenkungsorte kann die Nähe des im Dokument des Cozroh erwähnten „Kisingas“ zu einem Ort mit dem Namen „Pahhara“ zuerst einmal kein bestechendes Argument sein. Von Pahhara wird Bachern abgeleitet, doch eines von vielen anderen Bachern in Südbayern findet sich schon im Landkreis Dachau, ein anderes am Wörthsee – und es gibt weitere. Die geographische Verteilung der Erwähnungen weist auch kein erkennbares Schema auf, das Licht in das Dunkel über die Lage des erwähnten „Kisingas“ bringen würde.

Auf der anderen Seite: Autoren, die heute Schöngeising als jenes „Kisingas“ bezeichnen wollen, das im Jahr 763 zum ersten Male erwähnt wird, beziehen sich auf das Buch „Die Traditionen des Hochstifts Freising 744 – 1283“, erschienen in zwei Bänden im Jahre 1905 und herausgegeben von Theodor Bitterauf. Bitterauf wiederum bezog sich 1905 auf eine Abhandlung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften „Über die Bayerischen Urkunden aus der Zeit der Agilulfinger“, verfasst von Friedrich Hector Graf Hundt in München im Jahre 1873.

Ein allzu neuer, aktueller ´Stand der Forschung´ ist das eher nicht – wenngleich ältere wissenschaftliche Abhandlungen durchaus selbst zu wertvollen Quellen von höchstem Interesse werden können,  brauchbare  Informationen liefern können. Selbst Ulrich Bähr indes, ein Schöngeisinger durch und durch, schreibt angesichts dieser Ausgangssituation: „So richtig überzeugend ist die Quellenlage da wohl nicht.“[7]

Trotzdem feierte er 2013 den 1250. Jahrestag der Gründung seiner Heimatgemeinde. Wohl dem, der sich trotz fehlender genauerer wissenschaftlicher Beweislage die Feierlaune nicht verdrießen lässt.

Die Gemeinde Schöngeising selbst ist da eher vorsichtig. Das Datum 763 findet zumindest in der offiziellen Gemeindegeschichte Schöngeisings keinerlei Erwähnung. Mit Stolz verweist man hier hingegen auf die Besiedlung „unseres Raumes von der ältesten Bronze- und Hallstattzeit“. Die Rolle der Römer, die „hier eine Brücke über die Amper“ und damit eine „Raststation“ errichteten, an der sich zwei Römerstraßen kreuzten, wird hervorgehoben. Archäologisch nachgewiesen sei eine „Besiedlung bis zum 4. Jahrhundert.“ Und für die Zeit nach der Völkerwanderung wird konstatiert: „Im 9. Jahrhundert wird ein Gotteshaus in der bajuwarischen Ansiedlung erwähnt, das vermutlich schon älter sein dürfte.“ [8]

Doch was die Nennung von 763 anbetrifft, gibt man sich zurückhaltend.  In der offiziellen Geschichtschronik wird auf dieses Jahr und die urkundliche Nennung hier mit keinem Wort mehr eingegangen. Letztlich bleibt auch die Frage nur ungenügend geklärt, wie es über die Zeit hinweg zum Zusatz „Schön-“ vor dem Namen „Kisingas“ gekommen sein soll. Eine Theorie besagt, dass dieses „Schön-“ zum ursprünglichen Namen hinzugefügt wurde, um eine Unterscheidung zum nahe gelegenen Kottgeisering herbeizuführen. Der Ursprung der Theorie bleibt im Dunkeln, man findet sie lediglich bei Wikipedia und das ist wohl die brüchigste Basis für wissenschaftliche Aussagen. Die sollten auf seriösen Grundlagen fußen. Andere Autoren, wie die der Gemeinde selbst, sind so auch nie auf diesen wackeligen Zug aufgesprungen.

Auch der Schöngeisinger Lokalpatriot Ulrich Bähr erklärt eigentlich, dass der Ursprung des Namens Kottgeisering „strittig“ ist, also nicht unbedingt etwas mit einer Unterscheidung zu Schöngeising zu tun haben muss. Im Falle seines Heimatortes aber geht er davon aus, dass dieser  Namen auf einen „Kis(o) bw. Gis(o)“ zurückzuführen ist.[9]

Aber auch hier zeigt sich, dass etymologisch viele Wege zu unterschiedlichen Zielen führen und dass konkrete Ergebnisse oft nicht zu erzielen sind. Oft herrscht auch unter ausgewiesenen Fachleuten Unklarheit und Chaos.

Was die Herleitung des Ortsnamens „Geising“ ganz allgemein anbetrifft, so wird hier auf das frühhochdeutsche „geußen“ verwiesen, das bedeutet „fließen lassen.“ Für das im Erzgebirge gelegene „Geising“ ergibt sich so über die Jahrhunderte hinweg die Namenskette Gewsing, Geußingk, Geusing, Geising.[10] Das muss jetzt nicht überall so sein. Für das an der Amper gelegene Schöngeising würde es sich aber durchaus anbieten. Auch Ulrich Bähr weiß, dass es in Bayern viele Geising – Orte gibt, die sich von diesem „fließen“ ableiten lassen. Aber gerade im Falle von Schöngeising besteht er auf „die Leute des Kis(o).“

Ad absurdum geführt werden kann aber die Mär, dass die Vorsilbe Schön- sich von einer Unterscheidung zu Kottgeisering herleiten lässt. Das Kott- von Geisering kann kein Unterscheidungsmerkmal sein, es ist vielmehr ein regionalspezifisches Charakteristikum. Nicht unweit von Kottgeisering liegt z.B. Kottalting.[11] Allerdings wird als früheste Nennung „Gisilheringen“ angenommen. Beides aber spricht nicht unbedingt für eine Namensähnlichkeit weder mit Geising noch mit Kisingas. Ulrich Bähr schreibt in seinem Text über das „was wir sicher wissen.“ Und das ist nicht gerade viel, bezieht sich auf archäologische Funde und nicht auf Dinge, die mit der Namensherleitung zu tun haben.[12]

Schöngeising war schon Sieger im Wettbewerb um die Kisingas-Nennung. Doch die Gemeinde selbst hat ihre Soldaten, wie gesehen, aus der Schlacht um das Dokument von 763 zurückgeholt.

Der zweite Konkurrent Kissings um die Erstbenennung des Jahres 763, von dem Hilda Thummerer noch spricht, hat sich seit längerer Zeit schon von diesem Schlachtfeld zurückgezogen.

Giesing, das heute als jenes „Kyesinga“(s) festgemacht wird, das in den „Traditionen des Hochstiftes Freising“ im Jahre 790 erwähnt wird, hat dieses Datum  als Zeitpunkt seiner Ersterwähnung festgeschrieben. [13] Der Schenkungsraum ist hier wesentlich kleiner, die Nennung von „Peraloch“ - heute Perlach – in diesem Dokument kann, da ,in der Nähe´ gelegen, als Indiz für die – sehr wahrscheinliche - Richtigkeit dieser Schlussfolgerung gelten.

Der Verteidiger von Kissing in diesem Prozess aber hat angesichts der Erkenntnisse über Giesing gewisse Probleme, denn die von Hilda Thummerer aufgestellte Überlieferungskette von den Namen Kissings über die Jahre nach 763 weist einige nicht unwesentliche Fehler auf.

Die etwas gewagte Feststellung, dass der Name Kyesinga(s)“ zu den späteren „verschiedenen Schreibweisen“ Kissings gehört – weil in den Freisinger Quellen enthalten, kann nicht aufrechterhalten werden.[14]

Das von Thummerer angeführte „Kyesingas“ gehört als Ortsbezeichnung nach dem heutigen Kenntnisstand zu Giesing.

Auch spätere Bezeichnungen wie „Gisinga“ haben aus jetziger Sicht ihre Heimat  auf dem Giesinger Berg.

Was noch einmal  Schöngeising betrifft: Hier können wir, wenn denn Schöngeising 763 erwähnt worden wäre, von da an keine Zweit- oder Dritterwähnung mehr ausfindig machen und damit auch keine Namenskette für spätere Zeiten mehr bilden. Das ist schon ausgesprochen merkwürdig und ungewöhnlich für einen Ort, der so früh schon in den Urkunden erwähnt sein will – und dann regelrecht ´abtaucht.´

Die Fans von Schöngeising greifen in erster Linie auf Theodor Bitterauf und sein Werk aus dem Jahr 1905 zurück. Wir haben allen Respekt vor unseren Ahnen und würdigen ihre Arbeit, Quellen aus frühen Jahren  sind das Herzblatt unserer Arbeit. Wir können auch viel aus den Quellen früherer Jahre und Zeiten erfahren,nichts ist wertvoller als ein altes Buch, nichts ist mehr wert als ein gut geordnetes Antiquariat. Doch zwischendurch darf´s schon einmal ein aktuellerer Stand der Forschung sein.

Auf den können wir an dieser Stelle nun doch zurückgreifen. Aber: wird’s helfen? Im Juli 2017 veröffentlichte Gerhard Köbler - seines Zeichens ein emeritierter Professor, der an den Universitäten von Göttingen, Gießen und zuletzt Innsbruck u.a. Sprachgeschichte gelehrt hat – einige seiner Ergebnisse zur Ortsnamensforschung im südbayerischen Raum im Internet. Vor allen Dingen zwei Rubriken sind für uns von zentraler Bedeutung, denn hier finden wir Informationen über Kissing und Giesing. Wir erhoffen uns neue und verwertbare Informationen.

Köbler hat hier die Entwicklung von historischen Namensketten von Orten in das Internet  gestellt, die äußerst interessant sind. Doch sind sie auch sicher?

Kissing ordnet er hier die Überlieferungskette Chissingun, Chissingin (1058) bzw. Chissingen, Kyssingen und dann eben Kissing zu. Womit wir auch bei den von Heinz Schmitt in seinem Text erwähnten „Edlen von Chissingen“ im“ 11. Jahrhundert angelangt wären. Allerdings findet man bei Köbler auch ganz am Anfang das Jahr 935 als Datum der ersten urkundlichen Erwähnung Kissings als „Chissingun“. Das erstaunt, denn davon war in allen namenskundlichen Disputationen zur Kissinger  Gründungsgeschichte bislang nie Rede. Dieser Spur ist der Autor nachgegangen und hat auch hier keine wissenschaftlich unbestreitbare Erkenntnis erlangen können. Weiter unten werden wir das Thema noch einmal kurz aufgreifen.

Im Falle Giesings ergibt sich die Folge; Kisinga, Kisingen, Kyesingas, Gisingen und eben Giesing. Köbler nennt allerdings das Jahr 802 als jenes Datum, an dem Giesing zum ersten Male erwähnt worden sein soll.[15]

Verwirrung aller Orten, womit wieder, anders gesagt, wesentliche Klarheiten beseitigt wären.

Von Schöngeising lesen wir hier nichts. Es gibt in diesem Falle keine Überlieferungskette, die erkannt worden wäre. Das Jahr 1905 und damit der Stand der Erkenntnis vom Beginn des 20.Jahrhunderts, das ist halt doch ein bisschen wenig, um damit eine Schlacht der Ortschronisten gewinnen zu können. Tatsächlich können alle Befürworter der These, dass 763 Schöngeising erwähnt worden wäre, keine glaubhafte und unwiderlegbare Reihe von späteren Erwähnungen des Ortes und damit keine Kette der Entwicklung der konkreten Namensgebung vorlegen, die auch klären könnte, wie das ´Schön´ in den Namenszug gekommen ist. Alles nur: Fehlanzeige.

Giesing z.B. könnte da schon viel eher eine Kette der Überlieferung vorweisen und vor allen Dingen hat es ungebrochen eine Verbindung zu Freising von Anfang an. Doch wir möchten an dieser Stelle schlafende Hunde auf „Giesings Höhen“ nicht wecken, denn dort hat man sich mit dem Jahr 790 angefreundet – auch wenn die neueste Publikation wieder neues Material für neue Debatten liefern könnte,

Und wo bleibt überhaupt bei Prof. Köbler das Jahr 763?

Womit wir irgendwie wieder ganz am Anfang angelangt wären.

So müssen wir an dieser Stelle mit Goethes´ Faust resignierend feststellen:

„Da steh ich nun, ich armer Tor

und bin so klug als wie zuvor“

Oder sagen wir es mit Cicero – oder Sokrates, auch hier haben wir es bei diesem berühmten Satz mit einem Mysterium und historischen Rätsel zu  tun, denn wir wissen nicht genau, wer ihn wirklich zuerst gesagt hat:

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“

Auch das Bayerische Hauptstaatsarchiv, in dem der Autor im Rahmen dieser Ortsgeschichte zu mehreren Themen recherchiert hat, will mit gutem Grund in diesem Urkundenstreit um das Jahr 763 keine Partei ergreifen, sondern sprach in einem Antwortschreiben von der „Ersterwähnung Kissings bzw. Schöngeisings“[16]. Salomonisch gut gesprochen. Auf gut bayerisch eben: Nix is g´wis, nix wiss ma.

Aus diesem guten Grunde hat die Gemeinde Kissing auf die Ausrichtung einer 1250-Jahrfeier der Gründung des Ortes im Jahr 2013 verzichtet. Die Beweislage für die Richtigkeit der Datumsangabe von 763 war viel zu unklar, die Entscheidung war ohne Frage richtig. [17] Der Weise hält sich zurück und poltert nicht nach vorne, vor allen Dingen, wenn es da vorne ins Ungewisse geht.

Schöngeising hat gefeiert, auch wenn es da unter Umständen nichts zu feiern gegeben hat. Aber was interessiert das schon den passionierten Feier-Meier. Der und seine Freunde waren aber Privatleute, die Gemeinde selbst hat sich wie schon gesehen hier deutlich zurückgehalten – und sie tut es seither erst recht.

Wissenschaftlich wertvoll aber war die Untersuchung bezüglich 763 allemal. Auch wenn  in der Frage selbst kein klares Ja oder Nein erzielt werden konnte, so ist das Austauschen von Argumenten und Gegenargumenten ein wichtiger Bestandteil der Forschung, auch wenn wir dann am Ende keine konkreten Ergebnisse im Sinne eines deutlichen Pro oder Contra vorlegen können. Die Frage aber war der Hinterfragung wert, denn es zeigte sich, dass alle diejenigen, die behaupten, 763 sei mit aller unwiderlegbarer Sicherheit Schöngeising gemeint gewesen  - und davon kamen auch welche aus der unmittelbaren Umgebung von Kissing, die es sich zu einer besonderen Aufgabe gemacht haben, der Nachbargemeinde am geschichtlichen Image zu kratzen – sich maßlos überschätzen.

Und da steht es nun, das Jahr 763 und seine Nennung wie das bekannte „Männlein“ verlassen „im Walde , ganz still und stumm“, denn keiner will es mehr haben. Fast tut es uns leid, aber irgendwann einmal wird wieder irgendjemand kommen, der mit einem besonderen Aufhänger auf sich aufmerksam machen möchte und der uns sagt, dass er beweisen könne, was all die anderen bis jetzt nicht erkannt haben. Es gibt viele Kiso- und Giso-Orte und damit viele Möglichkeiten für Unterforderte, sich mit waghalsigen Theorien an die Öffentlichkeit zu wagen. Vielleicht wird der ein oder andere unser Männlein ja wieder mitnehmen.

Auf Hilda Thummerer kommen wir aber trotzdem noch einmal zurück.

Sie schreibt weiter: „In Schöngeising gab es nie ein Peterspatrozinium“[18] . Wohl aber in Kissing.

Dieses Argument spricht für Kissing, nicht aber gegen Schöngeising, heißt also erst einmal gar nichts. Denn Schöngeisings Geschichte z.B. reicht weit zurück, weiter zurück als in jene Zeit, in der Peterspatrozinien quasi Gründungsurkunden für Pfarreien und damit auch für Orte waren. Doch der Weg, den uns dieses Zitat weist, ist interessant – auch wenn er uns in eine andere Zeit führt als das 8. Jahrhundert.


Verwendete und weiterführende Literatur


[1]Thummerer, Hilda: Kissing von seiner ersten urkundlichen Erwähnung bis in die Hofmarkszeit, in: Gemeinde Kissing (Hrsg.): Kissing. Geschichte und Gegenwart, Kissing 1983, S. 54.

[2]Thummerer, Hilda, S, 67, Fußnote 2.

[3]Gemeinde Gräfelfing (9.10.2012):           Eindrucksvoller Blick. Die Geschichte Gräfelfings im Hauptstaatsarchiv, zu finden im www.wuermtal.net

[4]Siehe als Überblick: Bayerische Landesbibliothek Online: Cozroh-Codex Regesten fol. 73-173, https://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/

[5]Sammlung FreisBm – Monasterium.net: Sammlung: Freising, Bistum und Hochstift (763-1364), http://monasterium.net

[6]Siehe dazu: Digitale Bibliothek – Münchener Digitalisierungszentrum, http://daten.digitale-sammlungen.de

[7]Bähr, Ulrich, Die Schrift der Ersterwähnung Schöngeisings, S. 72.

[8]Verwaltungsgemeinschaft Grafrath: Geschichte der Gemeinde Schöngeising, zu finden auf den Internetseiten der vg-grafrath.de

[9]Bähr, Ulrich, Die Schrift der Ersterwähnung Schöngeisings, S. 71 u. S. 73.

[10]Eichler, Ernst/Walther, Hans: Sachsen. Alte Stadtnamen und deren Geschichte, Leipzig 2007.

[11]Koebler, Gerhard: Suchtext Bruck im Internet, zu finden unter www.koebler.gerhard etc.

[12]Bähr, Ulrich, S. 77.

[13]Siehe: Weigl, Johann Peter, 1200 Jahre Giesing, S. 16.

[14]Thummerer, Hilda, Kissing von seiner ersten urkundlichen Erwähnung bis in die Hofmarkszeit, S. 54 u. S. 68, Anmerkung 9.

[15]Gerhard Köbler, Internetseiten, Stichworte Bruck und Friedberg, unter www.koblergerhard

[16]Bayerisches Hauptstaatsarchiv, an PD Dr. Peter L. Münch-Heubner, München, den 26.6.2017.

[17]Schöngeising feiert, Kissing nicht, in: Augsburger Allgemeine, 5.5. 2011.

[18]Thummerer, Hilda, Kissing von seiner ersten urkundlichen Erwähnung bis in die Hofmarkszeit, S. 68, Anm. 3.


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