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Etwas Erd- und Flussgeschichte

Autor: Heinz Schmidt

Stille Lagunen werden von weißen Stränden gesäumt, tropische Baumriesen wiegen sich träge im Wind, im Hintergrund rauscht das Jurameer ein endlos gedehntes Lied der Zeit. Die Schalen von Ammoniten und Muscheln schweben taumelnd zu ihren vielen Kollegen hinunter auf den Meeresboden. Ein scheinbar endloses Kommen und Gehen, Leben und Sterben. Über Millionen von Jahren bildet sich eine viele hundert Meter dicke Kalksteinschicht, der Jura-Marmor. Besonders bekannt sind die Fossilien der Solnhofener Schieferplatten, versteinerte Zeugen des Lebens im Erdmittelalter.

So sieht es vor etwa 150 Millionen Jahren auch im Bereich von Kissing aus, unserer Heimat an Lech und Paar.

Ein steter Wechsel zwischen Meeren und Trockengebieten in der Kreidezeit und dem nachfolgenden Tertiär führen in unserem Raum zu einer wechselnden sandigen Ablagerung von Meeres- und Süßwassermolasse auf dem Jurakalk von mehr als 1000 Metern. Wenige Kilometer von Kissing entfernt, bei Kleinaitingen, wird Erdöl gefördert, das sich am Boden der Molasse auf der harten Schicht des Jura sammelt.

Zu Beginn des Tertiärs vor etwa 60 Millionen Jahren schiebt sich der afrikanische Kontinent unaufhaltsam gegen Europa und quetscht das Land dazwischen nach oben und auch tief in den Erdmantel hinein. Mit der heute noch andauernden Hebung der Alpen wird das Alpenvorland in Verbindung mit Klimaveränderungen permanent neu gestaltet. Von mächtigen Gletschern der Eiszeiten gehen urgewaltige schwallartige Schmelzwasserströme aus, die breite Geröllbänder in das tertiären Hügelland bis hin zur Donau einfurchen.

Die Schmelzwasserströme der beiden letzten Eiszeiten "Riß" und "Würm" schaffen nacheinander u. a. die beiden Flusssysteme von Paar und Lech, die besonders im Bereich Kissing in einer komplexen Wechselwirkung stehen. Davon werden Grundwasser, Hochwasser, Natur, Landwirtschaft und Besiedelungsfähigkeit im Lechtal dynamisch beeinflusst.

Mit der Bändigung des wilden Alpenflusses Lech in einem engen Kanal gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird die Hochwassergefahr reduziert, was die Entstehung von Neu-Kissing auf dem Lechfeld in breitem Umfang ermöglicht. Der spätere Bau von Staustufen und Wasserkraftwerken trägt, bei allen Nachteilen für die Natur, in erheblichem Maß zur sauberen Energiegewinnung bei.

 

Weitergehende Informationen:

Lech- und Paartal als Folge von Kalt- und Warmzeiten

 

Verwendete und weiterführende Literatur

Der geologische Aufbau des bayerischen Nord-Schwabens und der angrenzenden Gebiete
Paul Zenetti, Verlag von Theodor Lampart, Augsburg 1904

Geologisches Blockbild vom Landkreis Schwabmünchen
Bayerisches Geologisches Landesamt 1972, Frei, Ganuss, Schaefer, Märtel

Bayerns Erdgeschichte, Ehrenwirth Verlag, München 1981, Erwin Rutte

Geologische Karte von Bayern, Bayerisches Geologisches Landesamt, München 1981

Standortkundliche Bodenkarte von Bayern, L 7730 Augsburg
Bayerisches Geologisches Landesamt, München 1987

Landschaft und Natur; Der Landkreis Augsburg Band 1
Walter Pötzl, Pröll Druck & Verlag, Augsburg 1993
Beiträge zur Erd- und Landschaftsgeschichte von Lorenz Scheuenpflug

Das historische Lechfeld, Franz Knittel, Mering 2002, Eigendruck des Herausgebers

lechauf lechab, Rupert Zettl, Wißner Verlag, Augsburg 2002

Der Lech, Eberhard Pfeuffer, Wißner Verlag, Augsburg 2010


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