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Augsburg, Kissing und die Reformation

Autor: PD Dr. habil. Peter L. Münch-Heubner

Wenn der Vertrag zwischen Augsburg und Baiern 1571 eine Art von Waffenstillstand zwischen den Gegnern am Lech herstellte, so sollte ein zentrales Ereignis des 16. Jahrhunderts die innenpolitischen Konstellationen im ganz Deutschland und auch südöstlich von Augsburg grundlegend verändern und dort aus Feinden Freunde machen: Die Reformation.

Die Reichsstadt Augsburg schwenkte schnell in das Lager Luthers um, das Domkapitel wurde von seinen Anhängern eingenommen. Die Bischöfe flüchteten nach Dillingen, wo sie sich seit langer Zeit schon eine sichere zweite Residenz eingerichtet hatten. Kaiser Karl V. wird den Augsburger Dom dann den katholischen Bischöfen wieder öffnen. Doch ein anderer Akteur im Machtspiel dieser Tage sicherte ab nun den „Fortbestand“ des Hochstifts Augsburg. Es war „vor allem der politische Rückhalt am benachbarten Haus Bayern als der katholischen Vormacht im Reich“, [1] der nun zur Sicherheitsgarantie für die zurückgekehrten Augsburger Bischöfe geworden war.

Zwei Nachbarn, die über Jahrhunderte hinweg einander spinnefeind gewesen waren, waren nun durch die Herausforderung des Lutherischen Glaubens, weil beide katholisch, zu Verbündeten geworden. Das Haus Wittelsbach, das bis dahin begehrliche Blicke auf die Besitzstände der Kirche in und um Augsburg geworfen hatte, sicherte und schütze nun diese Eigentümer.

Diese Konstellationen im Gefolge der Reformation mögen auch erklären, warum der Status quo, so wie er auf dem Lechfeld nun herrschte, ein tragfähiger geworden war. Denn nach wie vor war die Situation von Widersprüchlichkeiten gekennzeichnet. Das Haus Wittelsbach hatte die Blutgerichts- und Wehrhoheit über Kissing errungen, lehnsrechtlich und lehenshoheitlich gehörte der Ort aber nach wie vor zum Hochstift Augsburg und auch die niedere Gerichtsbarkeit fiel nicht in die bairische Zuständigkeit. Doch man konnte nun mit diesem Zustand leben, man brauchte ja einander. Die Bischöfe brauchten Baiern als Schutzherrn. Und der wittelsbachische Schutzherr brauchte die Bischöfe in seiner Rolle als Bewahrer des katholischen Glaubens und des kirchlichen Standes im Reich. Ein bairischer Griff nach Augsburg hätte da schlecht ausgesehen.

 

Verwendete und weiterführende Literatur


[1]Augsburg Bistum/Hochstift. Politische Geschichte (Spätmittelalter)


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